Herausforderung

“Eine Aufgabe oder Arbeit die sehr anspruchsvoll ist”

Eine Herausforderung ist eine Spielsituation zu deren Lösung Karten ins Spiel kommen.

Herausforderungen werden vom Spielleiter objektiv eingesetzt, egal ob sie geplant oder improvisiert sind.

Objektiv bedeutet unabhängig vom Charakter: Der Spielleiter plant den Spielern ein schwer bewachtes Tor “entgegenzustellen”. Unabhängig von den Möglichkeiten der Charaktere, stellt es eine Herausforderung dar, in die Festung einzudringen. Oder eine wilde Räuberbande. Der Großteil der Banditen stellen kaum eine Gefahr dar, aber ihr Hauptmann, ein berüchtigter und gewissenloser Oz, ist eine Herausforderung.

Spielbeispiel I

Einleitung:
Die alte verfallene Tempelanlage ragt wie eine kleine Insel aus dem ruhigen denarischen Meer. Sie ist von hochgewachsenen Schuppenbäumen und Schachtelhalmen überwuchert. Als sich der Morgennebel legt, erwachen die Sceadas kreischend aus ihrem Schlaf. Kaeso und Tita haben einen Eingang in die verlassenen Ruinen gefunden. Aponius, einer der Fischer in Shibajo erzählte, dass er bei Ebbe eine Grotte entdeckt hatte.

Und er sollte Recht behalten. Die schmale Steintreppe führt in eine Halle, dicht bedeckt von Schutt und eingestürzten Säulen. Decke und Wände sind von Wurzeln umschlungen und dort, wo das Licht des Vormittags durch den brüchigen Plafond scheint, wuchern sattgrüne Farne. Von den mit Mosaiken verzierten Wänden rinnt das Meerwasser und bildet kleine, knietiefe Teiche zwischen dem Geröll. Mehrere Dornschwanzkrebse klettern die einzige intakte Kore, eine Mädchenstatue in Gestalt einer Oz, am Ende der Halle empor. Neben ihr verdeckt ein massives Steintor den Durchgang ins Allerheiligste.

Kaeso:
“Ich wate durchs seichte Wasser, direkt auf das Tor zu.”

Tita:
“Und? Ist sie sehr schwer? Kannst du sie bewegen?” fragte Tita den athletischen Khan.

Kaeso:
“Ich stemme mich gegen die Wand und versuche mit aller Kraft die Steinplatte wegzuschieben.”

Erzähler:
Der Stein knirscht über den Marmorboden. Die verschnörkelte Platte ist enorm schwer.

Tita:
“Ich helf’ dir.” schwer atmend stemme ich mich auch gegen das Tor.

Erzähler:
Die Steinplatte sackt ein wenig ab, dann fällt sie mit einem lauten Platschen ins Wasser. Keine Sekunde später erbebt die Säule neben euch und bricht in sich zusammen, gefolgt von der brüchigen Decke.

Der Ausgang der Situation wird mit einer Szenenkarte gedeutet. Sie betrifft beide Charaktere:

Der Wind
Gefangenschaft – die nachteilhafte Bedeutung

Tita:
“Ich kauere mich bewegungslos an die Wand…”

Kaeso:
“Ich packe Tita und werfe mich mit ihr einige Schritt zur Seite. Geröll, Staub und Steine stürzen auf mich herab. Ich werde von den Felsen verschüttet aber die grazile Voren ist unter mir in Sicherheit.”

Erzähler:
Der Staub legt sich. Man hört nur noch das rieseln der Steine und wie sie ins Wasser plätschern. Ein riesiges Loch hat sich über euch aufgetan und flutet die Halle mit Tageslicht.

Kaeso:
“Stöhnend stemme ich mich hoch, unter Schmerzen werfe ich das Geröll von mir.”

Tita:
“Alles in Ordnung?” besorgt mustere ich Kaesos Körper.

Kaeso:
“Hmm. Ja, geht schon.” knurre ich. Dann blicke ich fragend zu Tita.

Tita:
“Ich lächle und deute auf den Durchgang.”

Erzähler:
Der taurenhohe Durchgang liegt vor euch im Halbdunkel. Einiges an Wasser ist in die Halle geschwappt und der Raum füllt sich langsam aber stetig…